14.11.2014 19:40

Gold aus Wasser – durch Erdbeben!

Kategorie: Erde und Biosphäre
Von: Fosar/Bludorf

In diesem einfachen Quarz wurde ein fast 2 kg schweres Goldnugget gefunden (Foto: Heritage Auctions)

Sollten Sie knapp bei Kasse sein – falls Sie in einer Erdbebenzone wohnen, liegt der Reichtum möglicherweise direkt unter Ihren Füßen! Geophysiker der Universität Queensland (Australien) haben jetzt herausgefunden, dass bei einem Erdbeben Gold entsteht – aus Wasser! Projektleiter Dion Weatherley, Senior Research Fellow der University of Queensland, erklärt, wie es funktioniert. Ein Erdbeben ereignet sich immer entlang einer unterirdischen Bruchlinie im Gestein der Erdkruste. Sehr oft sammelt sich entlang solcher Bruchlinien im Laufe der Zeit Wasser, das die Zwischenräume ausfüllt. Aufgrund des immensen Drucks im Erdinnern, etwa 10 Kilometer unter der Oberfläche, wird das Wasser zusammengepresst und reichert sich mit zahlreichen Mineralien an, meist mit Karbondioxid und Silikaten, aber auch mit „attraktiveren“ Elementen wie zum Beispiel Gold. Kommt es nun zu einem Erdbeben, öffnen sich diese Erdspalten schlagartig. Der Effekt ist wie beim Öffnen eines Dampfdruckkochtopfs – das Wasser in der Gesteinsspalte verdampft augenblicklich. Die in ihm gelösten Stoffe bleiben zurück und werden an die Erdoberfläche gepresst.

Schon lange hatten die Wissenschaftler gewusst, dass es eine merkwürdige Korrelation zwischen größeren Goldvorkommen und Bruchlinien in der Erdkruste gibt. Man hatte vermutet, dass das Edelmetall durch plötzlichen Druckanstieg im Erdinnern nach oben gekommen sein könnte. Die Studie der australischen Wissenschaftler führte diese Idee ins Extrem weiter, kommentiert der Geochemiker Jamie Wilkinson vom Imperial College in London, der so nicht an der Studie beteiligt war. Die Goldausbeute eines einzigen Erdbebens ist natürlich klein, sagt Weatherley. Das im Untergrund gespeicherte Wasser enthält normalerweise nur 1 ppm („parts per Million“) des Edelmetalls. Aber entlang großer Bruchlinien wie z. B. der Alpinen Verwerfung auf der Südinsel Neuseelands könnten sich im Laufe von Jahrhunderttausenden gigantische Vorkommen ansammeln.

Gemäß der Zusammensetzung der mineralischen Nanopartikel im unterirdischen Wasser sind die Goldnuggets an Quarzgestein gebunden, wobei die Nuggets beim Erdbeben so schnell vonstatten geht, dass der Quarz nicht einmal Zeit zum Auskristallisieren hat. Um diese Prozesse anzustoßen, bedarf es übrigens nicht der zerstörerischen Kraft eines großen Erdbebens. Bereits kleinere Erschütterungen bis zur Stärke 4 auf der Richterskala, die normalerweise an der Erdoberfläche keine größeren Schäden anrichten, können den Verdampfungs- Kristallisationsprozess einleiten. Solche kleinen Erdbeben ereignen sich jedoch exponentiell häufiger als große, in manchen Regionen fast täglich. Damit könnten solche kleinen regelmäßigen Erdbeben für die Bildung großer, ökonomisch lukrativer Goldvorkommen verantwortlich sein. Die legendären Fundstätten des amerikanischen Goldrauschs im 19. Jahrhundert in Kalifornien und am Klondike River im Grenzgebiet zwischen Alaska und Kanada lagen ebenfalls in erdbebengefährdeten Zonen.