Das Macht-Syndrom

Wird die Matrix schon kontrolliert?

von Grazyna Fosar und Franz Bludorf

Nach den Terroranschlägen vom 11. September wurden in den USA geradezu hektische Aktivitäten erkennbar, allenthalben die Bürgerrechte zu beschneiden und eine totale und flächendeckende Überwachung der gesamten Bevölkerung zu installieren. „Total Information Awareness" (TIA, Totale Informationswahrnehmung) war das Schlagwort, mit dem die DARPA (Defense Advanced Research Project Agency), die futuristische Forschungsabteilung des Pentagon, den gläsernen Bürger schaffen wollte.

Doch im Sommer dieses Jahres schien die Vernunft zu obsiegen. Im Juli verbot der US-Senat, überraschenderweise sogar einstimmig, für dieses Projekt noch Geld zu bewilligen, weder für die Forschung im Bereich TIA, noch für den praktischen Einsatz. Das Ende von „Big Brother"?

Weit gefehlt. Die Strategen des Überwachungsstaates mussten nur umdenken lernen. Ganz offenbar sitzt die Terrorangst im Sommer 2003 bei der amerikanischen Bevölkerung nicht mehr tief genug, um Brachialmethoden mit dem Holzhammer durchdrücken zu können. Selbst erzkonservativen Senatoren waren die DARPA-Vorschläge zu weit gegangen. Also entschloss man sich, von nun an subtiler, sozusagen aus dem Untergrund, vorzugehen.

Ein Kult-Name

Nur wenige Wochen nach dem Senatsbeschluss vom Juli ließ man die Katze aus dem Sack. Ein vollkommen neuartiges Datenbank- und Abfragesystem soll es ermöglichen, durch Zusammenschalten herkömmlicher Datenbestände von Polizei, Behörden und privater Wirtschaft das gleiche zu erreichen. Mit „vernetzter Intelligenz" schafft man eben mehr als mit altmodischen Hierarchien!

Der Name des neuen Projekts spricht Bände: „Multistate Anti-Terrorism Information Exchange", abgekürzt: MATRIX!

Mit Hilfe von MATRIX wird es möglich, in Sekundenschnelle sämtliche rothaarigen Automechaniker über 30 herauszufinden, die einen Toyota fahren, und dann ihre Adressen auszudrucken. Gestartet wird die MATRIX zunächst in Florida, also mitten im Hegemonialbereich der Bush-Dynastie, wo der Bruder (und Steigbügelhalter) des Präsidenten in Amt und Würden sitzt. Doch auch andere US-Bundesstaaten haben schon unverhohlen mehr als nur Interesse bekundet. Würde MATRIX landesweit eingesetzt, wäre dies die Einführung von Total Information Awareness durch die Hintertür, unter Umgehung des Kongresses. Dabei geht es vor allem, wie bei TIA, um die Erkennung von Querverbindungen und Verhaltensmustern in der Bevölkerung. Kurz gesagt, es sollen Denkmuster und Denkprozesse bei großen Bevölkerungsgruppen erforscht werden.

Damit wird klar, dass die Abkürzung „MATRIX" nicht nur ein Etikett ist, sondern ein Symptom dafür, dass sich die wissenschaftliche Avantgarde des Militärs schon längst mit der richtigen Matrix beschäftigt, also mit der Überwachung und Manipulation des Gerüsts, das unsere Realität aufbaut. Kann das überhaupt möglich sein?

Spuren der Zukunft

Bereits seit einigen Jahren erforscht das Global Consciousness Project der Princeton-Universität den Einfluss des menschlichen Gruppenbewusstseins auf unsere Realität. Man hat festgestellt, dass sogenannte Zufallsgeneratoren durch die Emotionen großer Menschengruppen beeinflusst werden können. Darunter versteht man Computerprogramme oder Geräte, die „zufällige" Daten erzeugen (zumeist mit Hilfe radioaktiver Zerfallsprozesse).

Solche „Zufallsdaten" verlieren unter dem Einfluss des Gruppenbewusstseins ihren zufälligen, chaotischen Charakter und entwickeln innere Strukturen, und das unabhängig von Raum und Zeit, ohne dass die beteiligten Menschengruppen davon wüssten oder dies gar gewollt hätten.

Wichtig ist nur, dass sich die Menschen mit ihren Emotionen auf ein gemeinsames Ziel konzentrieren. Welcher Art dieses Ziel ist, spielt dabei keine Rolle. Es kann eine gemeinsame Friedensmeditation sein, aber auch die aufgeheizte Atmosphäre eines großen internationalen Sportereignisses, eine Katastrophe oder ein Unglücksfall, der die Aufmerksamkeit großer Menschenmassen auf sich zieht, wie es z. B. beim Unfalltod von Prinzessin Diana in Paris der Fall war.

Besonders deutlich zeigte sich dieser Effekt jedoch am 11. September 2001. Bereits morgens um 5.00 Uhr New Yorker Zeit, also vier Stunden vor den Terroranschlägen auf das World Trade Center, zeigten die Zufallsgeneratoren in Princeton starke Abweichungen von der Norm (Abb. 1). Hatten die Menschen auf der Welt das Ereignis schon vorausgeahnt, lag es sozusagen in der Luft, noch bevor es geschehen war?

Es ist sicher schon erstaunlich genug, dass die Wissenschaft heute bereits über Instrumente verfügt, um die Bewusstseinsaktivitäten der Menschen zu messen. Doch die wahre Tragweite erkennt man erst, wenn man hinter die Kulissen schaut und sieht, wie die Wissenschaftler diese Vorgänge interpretieren.

Aus der Sicht der Quantenphysik ist es nämlich gar kein Wunder, wenn zukünftige Ereignisse in die Gegenwart hineinwirken. Ein quantenphysikalisches Ereignis (und dazu gehören die genannten Zufallsprozesse ebenso wie die Vorgänge im menschlichen Bewusstsein) sendet eine Information in Form einer Quantenwelle in alle Raum-Zeit-Richtungen (also sowohl in der Gegenwart in den Raum als auch in Vergangenheit und Zukunft). Das Ereignis, so die Aussage der Wissenschaft, kann sich erst dann in der materiellen Realität manifestieren, wenn diese Informationswelle irgendwo (oder irgendwann) einen Resonanzpartner gefunden hat, mit dem sie sich zu einer stabilen (stehenden) Welle verschränkt. Kurz gesagt, unsere Zukunft entsteht nicht willkürlich aus dem Nichts, sondern ist potentiell schon vorhanden, muss sich aber zur Realisierung eine passende Vergangenheit suchen.

Abb. 1: Am 11. September 2001 registrierten die Zufallsgeneratoren der Princeton-Universität bereits vier Stunden vor den Anschlägen starke Ausschläge, die dem eigentlichen Geschehen vorauseilten.

Die Spuren dieser Verankerung eines noch in der Zukunft liegenden Ereignisses in unserer Gegenwart lassen sich dann auf den Messgeräten der Wissenschaftler ablesen.

Diese Zusammenhänge sind gar nicht so schwer zu verstehen, wie es auf den ersten Blick aussehen mag. Wir beschreiben sie detailliert im Buch „Fehler in der Matrix".

Und Resonanzböden fand das potentielle Ereignis der Anschläge auf das World Trade Center in unserer Gesellschaft leider genug. Dabei geht es nicht nur um die Terroristengruppen, die die Anschläge schließlich ausführten. In einer Studie des Instituts für Strategische Studien am US Army War College wurde ein solches Szenario bereits in den neunziger Jahren theoretisch durchgespielt (mehr dazu in unserem Buch "Zaubergesang"). Aber auch zahlreiche vollkommen unbeteiligte Menschen konnten im Vorfeld des 11. September Impulse der Ereignisse wahrnehmen, indem sie z. B. von Attentaten auf Hochhaustürme träumten, wie uns inzwischen von Lesern bestätigt wurde. Und schließlich produzierte eine Hamburger Werbeagentur sogar bereits Monate vor den Terroranschlägen einen Werbespot, in dem ein Flugzeug durch ein Hochhaus rast. Pünktlich am 9. und 10. September war der Spot bundesweit in allen Fernsehprogrammen angelaufen, bis er dann angesichts der Ereignisse vom 11. September für immer in den Archiven verschwand.

Das menschliche Gruppenbewusstsein erweist sich also als entscheidender Mitgestalter der echten Matrix, jenes geheimnisvollen Schemas, aus dem unser aller „Realität" sich Tag für Tag immer wieder neu aufbaut.

Abb. 2-4: Ein „Ort der Macht" - im Cheyenne Mountain in Colorado befindet sich unterirdisch das Hauptquartier der amerikanischen Luftraumüberwachung „NORAD"
 

Was muss also jemand tun, der unsere Realität der Matrix kontrollieren will (oder zumindest lernen will, wie man es macht)?

Er muss sich natürlich mit dem Gruppenbewusstsein und mit der Quantenphysik auseinandersetzen.

Dass die Pentagon-Forschungsbehörde DARPA genau dies tut, ist längst bekannt. Forschungsprojekte wie QuIST (Quantum Information Science and Technology), das gerade erst vom Senat gekappte Projekt TIA und sein Nachfolger „MATRIX" beweisen es.

Die geheime Schattenregierung

Auch auf derartige (und verwandte) Projekte gehen wir im Buch "Fehler in der Matrix" ausführlich ein und diskutieren, welche Institutionen eigentlich die Anwender solcher Technologien sein werden. Da bietet sich natürlich NORAD an, die amerikanische Luftraumüberwachungszentrale, die schon seit einiger Zeit nicht mehr "nur" den Luftraum überwacht, vor allem aber auch die FEMA (Federal Emergency Management Agency), die amerikanische Katastrophenschutzbehörde.

Um im Katastrophen- oder Krisenfall den Fortbestand der Regierungsgewalt zu sichern (sogenanntes Projekt Continuity of Government, kurz COG), betreibt die FEMA schon seit den siebziger Jahren unterirdische Stützpunkte im ganzen Land, den größten in einem stillgelegten Bergwerk am Mount Weather in Virginia. Dort ist eine komplette Schattenregierung installiert, die am Tag X durch einen schlichten Federstrich des Präsidenten die Macht über praktisch alle Bereiche des öffentlichen Lebens inklusive Finanz-, Gesundheits-, Sozial- und Transportwesen übernehmen kann.

Dieser Tag X ist noch nicht gekommen, doch die Kriterien für den „Krisenfall" sind im Gesetz sehr weit gefasst, so dass nicht nur äußere, sondern auch innere Bedrohungen wie Wirtschaftskrisen und Massenarbeitslosigkeit darunter fallen können. Und womit beschäftigen sich die Mitglieder der Schattenregierung jetzt, in „Friedenszeiten"?

Da gibt es zu denken, dass auch die deutsche Bundesregierung nach dem Hochwasser von 2002 und der Dürrekatastrophe dieses Sommers ernsthaft über die Einrichtung einer Katastrophenschutzbehörde nachdenkt, hoffentlich nicht nach amerikanischem Vorbild!

Abb. 5: Der FEMA-Stützpunkt am Mount Weather (Virginia). Offizielle Fotos zeigen nur die oberirdischen Gebäudekomplexe (oben), während das Satellitenbild auch mehrere Tunneleingänge zeigt, die in den Untergrund führen (untere Vergrößerungen, „West Portal" und „East Portal")

Die Gestaltung der Zukunft

Die wichtigste Aufgabe der Forschungsstrategen des Militärs liegt natürlich in der Gestaltung der Zukunft. Und da man nun einmal erkannt hat, dass diese Zukunft weitgehend vom menschlichen Gruppenbewusstsein auf subtile Weise mit gelenkt wird, ist diese Aufgabe von der Kontrolle und Lenkung der Bevölkerungsmassen nicht mehr zu trennen. Aber die Zeiten sind vorbei, in denen dies durch äußere Gewalt und durch offene Propaganda erfolgte. Diese Mechanismen existieren zwar nach wie vor, lenken aber von den eigentlichen Entwicklungen eher ab.

Die Vorgänge rund um den 11. September haben gezeigt, dass Studium und Beeinflussung von Massenverhaltensmustern Instrumente liefern, um die Matrix selbst, also die von uns allen erlebte Realität, von innen heraus zu gestalten, und das auf so subtile Weise, dass es den meisten von uns gar nicht auffallen dürfte. Der Name "MATRIX" für das neueste Überwachungsprojekt der Regierung ist also hervorragend gewählt.

Wie sagte doch Morpheus zu Neo im Film, als er ihn in die Geheimnisse der Matrix einführte:

„Die Matrix ist allgegenwärtig. Sie umgibt uns. Selbst hier ist sie, in diesem Zimmer. Du siehst sie, wenn du aus dem Fenster guckst oder den Fernseher anmachst. Du kannst sie spüren, wenn du zur Arbeit gehst, oder in die Kirche, und wenn du deine Steuern zahlst. Es ist eine Scheinwelt, die man dir vorgaukelt, um dich von der Wahrheit abzulenken."

Wir alle haben uns dem wohligen Grusel des Science-Fiction-Films hingegeben, in der sicheren Überzeugung, dass das alles nur eine gut ausgedachte Geschichte ist und wir hinterher wieder zu unserer gewohnten Tagesordnung übergehen können. Vielleicht war das ja die eigentliche Illusion, der wir erlegen sind!

Literatur:

Grazyna Fosar • Franz Bludorf. Fehler in der Matrix. Leben Sie nur, oder wissen Sie schon? Michaels-Verlag Peiting 2003.