< Bilderberger-Treffen 2005 in Deutschland
10.05.2005 00:00 Alter: 14 yrs
Kategorie: Strukturen der Macht
Von: Fosar/Bludorf

Interview mit dem Autor Jon Ronson im TV-Programm von CNN International vom 5. 5. 2005


Am 5. 5. 2005 gab der amerikanische Buchautor Jon Ronson dem US-Fernsehsender CNN ein Interview zum Thema Bilderberger. Sie können wahlweise das Video anschauen oder das Transkript hier in deutscher Übersetzung lesen. Video ansehenAnmoderation CNN: Sie haben vielleicht noch nichts davon gehört, aber es gibt Leute, die sagen, daß die Bilderberger versuchen, im Geheimen die Welt zu übernehmen. Wir versuchen herauszufinden, warum einige der größten Namen in Wirtschaft und Politik sich sehr diskret in Deutschland treffen. Verschwörung oder gemütliche Gesprächsrunde? Die Bilderberger-Gruppe trifft sich diese Woche in Süddeutschland, zumindest nach Aussagen der Financial Times, die sagt, eine Gruppe mächtiger Männer und Frauen würde dort über die Zukunft der Welt debattieren. Die Zeitung sagt, zum Steering Committee der Bilderberger gehören der Boss der Deutschen Bank, Josef Ackermann, Nokia-CEO Jorma Ollila, Jürgen Schrempp von Daimler-Benz und der scheidende Weltbankpräsident James Wolfensohn. Wir fragten Jon Ronson, der über die Bilderberger geschrieben hat, worum es dabei wirklich geht. J.R.: „Bilderberg ist ein Treffen von mächtigen Industriellen und Politikern. Sie treffen sich immer im Geheimen, einmal pro Jahr, in einem Fünf-Sterne-Hotel mit Golfplatz, und sie haben für Verschwörungstheoretiker das Image einer geheimen Schattenregierung übernommen.“ CNN: „Sind sie es?“ J.R.: „Ja und nein.“ CNN: „Sie sagen, diese Gruppe mächtiger Leute trifft sich im Geheimen. Dagegen sagen sie selbst, sie träfen sich nur privat, was nicht ganz das selbe ist, nicht wahr?“ J.R.: „Nein, es ist nicht das selbe. Ich denke, daß im Großen und Ganzen viele Mitglieder der Bilderberger sich tatsächlich selbst ganz genau so sehen, wie die Verschwörungstheoretiker sie sehen.“ CNN: „Alles, was sie sehen, ist die Zielsetzung. Sie sagen, es sei ein gutes Zusammentreffen mächtiger Leute, die nicht oft die Gelegenheit haben, sich abseits der Augen der Presse zu treffen. Man kann verstehen, daß sie auch mal eine private Unterhaltung haben wollen.“ J.R.: „Sie sehen sich als weise Globalisierer. Sie wurden nach dem Ende des zweiten Weltkrieges gegründet durch Leute wie Dennis Healey, David Rockefeller.“ CNN: „Da ist auch viel Idealismus dabei, nicht wahr? Sie wollen nie wieder einen Weltkrieg haben.“ J.R.: „Oh ja. Absolut. Viele der Anti-Bilderberger unter den Verschwörungstheoretikern sind auch vom rechten Rand des politischen Spektrums, die sich als Gegner der Globalisierung bezeichnen, oft aber selbst Nationalisten sind. Und sie werfen den Bilderbergern vor, eine Weltregierung zu planen, was die Bilderberger auf lange Sicht auch tatsächlich anstreben, die Idee einer Eine-Welt-Gemeinschaft, einer neuen Weltordnung.“ CNN: „Sie stehen nicht in Opposition zu den nationalen Regierungen, sondern scheinen eine Gruppe globaler Führer zu sein, die über globale Themen sprechen?“ J.R.: „Sie sehen sich selbst als Head-Hunter. Sie knüpfen Kontakte mit aufsteigenden Politikern, von denen sie denken, daß sie vielleicht eines Tages einmal Präsident oder Premierminister werden könnten, und sie sind Globalisten, Industrielle, Führer, die glauben, daß Politik nicht in den Händen der Politiker sein sollte. Sie versuchen, sie zu beeinflussen mit weisen Worten in den Sitzungen hinter verschlossenen Türen.“ CNN: „Sollten sie offener sein? Ich meine, sollten sie nach der Tagung an die Öffentlichkeit gehen und erklären, was sie da tun, worüber sie gesprochen haben, was sie entschieden haben, selbst wenn sie uns Journalisten vor und während des Treffens nicht einladen?“ J.R.: „Ich denke, die Geheimnistuerei der Bilderberger geht insbesondere auf Henry Kissinger zurück, einem der Gründungsmitglieder der Bilderberger, der, ich denke auf eine recht dumme Weise, die Idee liebt, so eine geheimnisvolle Schattenfigur zu sein. Es ist wirklich dumm, in der Tat. Einige Mitglieder, zum Beispiel Lord Owen...“ CNN: „Der frühere britische Außenminister und Führer der Social Democratic Party.“ J.R.: „Ja, also er sagte mir, er würde sich wünschen, die Bilderberger würden diese Geheimhaltung aufgeben, denn sie gibt Anlaß für immense Verschwörungstheorien.“ CNN: „Das war Jon Ronson, der über die Bilderberger in einem Buch geschrieben hat mit dem Titel 'Them. Adventures with Extremists'.“ Transkription und Übersetzung: Franz Bludorf * * * Anmerkung: Dieser Text wurde nicht von den Eigentümern dieser Website, Grazyna Fosar und Franz Bludorf verfaßt. Wir geben ihn hier ohne Kommentar zur Kenntnis, was nicht bedeutet, daß wir mit sämtlichen Aussagen des Interviews übereinstimmen. Publikationen von Grazyna Fosar und Franz Bludorf zum Thema Bilderberger finden Sie hier:

Grazyna Fosar / Franz Bludorf. Zeitfalle. Michaels Verlag, Peiting 2005.