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01.10.2004 00:00 Alter: 15 yrs
Kategorie: Elektromagnetische Frequenzen, Gesundheit und Umwelt
Von: Fosar/Bludorf

Diagnose per Handschlag?


Microsoft erhält Patent für den menschlichen Körper als Datenleitung • Bayerische Firma „Ident Technology“ hat die Nase vornvon Grazyna Fosar und Franz Bludorf Eine Kopplung von Mensch und Maschine - das ist seit langem eine Vision von Zukunftsforschern und Science-Fiction-Autoren. Filme wie der „Terminator“ zeigen Ausblicke in eine Zukunft, in der die Unzulänglichkeiten des menschlichen Körpers mit Hilfe der Technik überwunden werden. Seit dem 22. Juni 2004 ist der erste Schritt in diese Zukunft getan. Der amerikanische Software-Gigant Microsoft erhielt an diesem Tage ein Patent für „eine Methode und einen Apparat, um Energie und Daten mit Hilfe des menschlichen Körpers zu übertragen“. Erfinder dieser „Apparatur“, deren Hauptbestandteil immerhin keine menschliche Erfindung, sondern der menschliche Körper ist, sind Lyndsay Williams aus Cambridge (England) sowie William Vablais und Stephen N. Bathiche, beide aus dem US-Bundesstaat Washington, wo ja auch Microsoft seinen Hauptsitz hat. Die ganze Sache klingt nicht nur äußerst futuristisch, sie hat auch Konsequenzen, die beängstigend sind. Es ist seit langem bekannt, daß der menschliche Körper, insbesondere die Haut, in der Lage sind, elektrischen Strom zu leiten. Wäre dies anders, kein Blitzschlag könnte uns etwas anhaben. Die Leitfähigkeit ist zwar nicht sehr stark, aber vollkommen ausreichend, um auf diese Weise auch elektromagnetische Wellen und damit auch Informationen übertragen zu können. So dürfte folgendes Szenario schon eines nicht mehr fernen Tages Realität werden: Sie gehen zum Arzt und betreten das Sprechzimmer. Der Arzt geht auf Sie zu und gibt Ihnen die Hand. Ein Begrüßungsritual, so alltäglich für uns alle, daß wir kaum davon Notiz nehmen. In diesem Moment wird aber bei diesem Handschlag eine komplette Datei von Ihnen zum Arzt übertragen, die alle wichtigen Daten Ihrer Person enthält - Vorerkrankungen, Risikofaktoren, genetische Vorbelastungen, Medikamentenallergien usw. Klingt gut? Vielleicht, aber würden Sie sich in einer solchen Welt noch trauen, auch Ihrem Chef die Hand zu geben? Wäre dies der erste entscheidende Schritt zum gläsernen Menschen? Wie funktioniert das überhaupt? Die US-Patentschrift Nr. 6,754,472 beschreibt es in allen Einzelheiten: Der „Apparat“, also die Erfindung, ist im wesentlichen ein Netzwerk, bestehend aus 1.     einem Gerät, das in der Lage ist, ein elektromagnetisches Signal zu senden 2.     einem Gerät, das in der Lage ist, ein elektromagnetisches Signal zu empfangen 3.     dem Körper eines Lebewesens, der eine leitende Verbindung zwischen dem ersten und dem zweiten Gerät herstellt sowie die Kommunikation zwischen beiden ermöglicht. Das Beispiel mit dem Händeschütteln ist also gar nicht so weit hergeholt, denn in der Informatik bezeichnet man Verfahren zur Steuerung der Kommunikation zwischen unterschiedlichen Komponenten eines Netzwerks schon seit langem als „Handshake“. In der Praxis sieht das so aus: Der Patient trägt einen kleinen Chip bei sich - nicht notwendigerweise als „Implantat“, sondern ganz einfach in der Jackentasche. Hauptsache, es besteht eine leitende Verbindung zu seiner Haut. Der Arzt hat in seiner Tasche einen kleinen Rechner, etwa einen Organizer, Palmtop oder etwas ähnliches. Durch den Handschlag wird der Stromkreis zwischen dem Rechner des Arztes und dem Chip des Patienten geschlossen, die Daten werden übertragen und können vom Arzt dann auf dem Rechner komplett eingesehen werden. Auf den ersten Blick könnte man sagen, das Verfahren unterscheidet sich nicht wesentlich von den Möglichkeiten, die auch die heutigen Chipkarten der Krankenkassen in sich bergen. Das ist schon richtig. Der Unterschied ist eher qualitativer Natur: Bei diesem neuen Verfahren kann man nie sicher sein, wer einem wann die persönlichen Daten abzapft, sofern man seinen Chip bei sich trägt. Das Microsoft-Verfahren ist sehr universell angelegt. Es ermöglicht auch die Übertragung akustischer Wellen, also hörbarer Informationen (z. B. Alarmtöne) sowie elektromagnetischer Wellen, sowohl mit analoger als auch mit digitaler Datenkodierung (Genaueres zu diesen Fachbegriffen in unserem neuen Buch Im Netz der Frequenzen). Nach Auskunft des Microsoft-Konzerns ist diese Technologie trotz des vorliegenden Patents noch Zukunftsmusik. Der Software-Multi wollte sich lediglich die Lizenzrechte an einer zukunftsträchtigen Methode sichern, hat jedoch nach eigenem Bekunden weder einen funktionsfähigen Prototypen vorzuliegen noch irgendwelche Pläne, einen solchen zu entwickeln. Irgendwie klingen diese Beteuerungen sogar glaubhaft, denn bis ein solch gewaltiger Konzern-Dinosaurier innovativ tätig werden kann, muß erst einmal allerlei Bürokratie auf der Management-Ebene durchlaufen werden. Internationale Konzerne dieser Größenordnung sind im Grunde in ihrer Unternehmenspolitik sehr konservativ. Die Gewinne sind eben wichtiger als der Fortschritt. Können wir uns also doch beruhigt zurücklehnen? Nein, denn anderenorts ist man längst aktiv geworden. Ein „David“ aus Bayern hat den Wettstreit mit dem „Goliath“ aus Seattle aufgenommen. Der „David“ ist die Firma Ident Technology aus Wessling in Bayern, ein Kleinunternehmen mit sechs Mitarbeitern (Microsoft beschäftigt 56,000 Leute und hat einen Forschungsetat von rund fünf Milliarden Dollar). Angesichts der Bekanntgabe der Patenterteilung an Microsoft durch die Medien trat nun auch Ident-Technology-Chef Peter Rosenbeck an die Öffentlichkeit. Er behauptet nicht nur, daß seine Firma längst über eine serienreife Version dieser Technologie verfügt, er kann sie sogar in der Praxis jedem vorführen. Das Microsoft-Patent läßt der selbstbewußte Kleinunternehmer inzwischen durch seine Anwälte überprüfen. Rosenbeck macht auch klar, daß es noch einige technische Schwierigkeiten gibt. So sind derzeit die Datenübertragungsraten noch sehr gering und liegen bei etwa 10,000 Bit pro Sekunde (das entspricht etwas mehr als einem Kilobyte). Damit kann man zwar noch nicht vernünftig im Internet surfen, aber jeder Mensch, der schon einmal am PC mit einem Textverarbeitungsprogramm wie Microsoft Word gearbeitet hat, weiß, daß man in einem Kilobyte allerhand Daten abspeichern kann - eben rund tausend Zeichen. Die Datenübertragung von Krankheitsrisiken an den Arzt (oder den Personalchef!) sind also alles andere als Zukunftsmusik. Aber Peter Rosenbeck stellt auch andere Anwendungsmöglichkeiten vor. Da gäbe es zum Beispiel die Möglichkeit eines fälschungs- und diebstahlsicheren Türöffners für Autotüren, ohne Schlüssel und ohne die unsäglichen Infrarot-Fernbedienungen, die ein gewiefter Einbrecher ohnehin aushebeln kann und die in der Nähe jeder zweiten größeren elektronischen Anlage ihren Geist aufgeben, sei es in der Autowaschanlage oder in der Nähe des Geldautomaten einer Bank. Mit diesem System berührt man einfach die Türklinke mit der Hand, und das Auto weiß sofort, ob sein „Herrchen“ die Tür öffnen will oder irgendein Bösewicht. Auf die gleiche Weise können auch Haushaltsgeräte, etwa Staubsauger oder Küchenmixer, kindersicher gemacht werden oder wertvolle Geräte vor Diebstahl geschützt werden. Bei unbefugter Benutzung würden sie einen Alarmton von sich geben. Polizeiwaffen könnten so eingestellt werden, daß sie nur von ihrem rechtmäßigen Besitzer abgefeuert werden können, so wie es im Science-Fiction-Film „Judge Dredd“ mit Sylvester Stallone bereits zu sehen war. Doch der zentrale Punkt ist und bleibt nicht das Erzeugen harmloser Alarm- und Piepsignale, sondern Datenübertragung in großem Stil. Der gläserne Mensch ist da nur ein Aspekt. Die derzeit aktuelle Bluetooth-Technik (s. auch „Im Netz der Frequenzen“), die z. B. für die drahtlose Internet-Kommunikation (WLAN), aber auch für Überwachungsgeräte, elektronische Spiele und in Zukunft auch für die Kommunikation zwischen Haushaltsgeräten benutzt wird, droht unsere Atmosphäre schon bald mit Frequenzen total „zuzudröhnen“. Angesichts dieser Tatsachen gilt es eben auch, so die Experten, diesen herkömmlichen Frequenzsalat in unserer Umwelt etwas zu entlasten, indem man neue Übertragungswege erschließt. Datenübertragungsraten von bis zu einigen hundert Kilobit pro Sekunde über die menschliche Haut gelten als technisch realisierbar. Das ist immerhin schon die Hälfte der Leistung eines derzeitigen DSL-Internet-Anschlusses! Dabei ist es nicht einmal notwendig, den Sendechip auf der bloßen Haut oder im Körper als Implantat zu tragen, so der Vater der bayerischen Variante dieser Technologie, Professor Peter Faßhauer von der Universität München. Die Daten könnten auch noch aus einigen Zentimetern Abstand zur Haut gut übertragen werden. So weit reiche nämlich die elektrische Aura des Menschen, so Professor Faßhauer weiter. Erstaunlich, womit sich klassische, etablierte Wissenschaftler heutzutage schon so beschäftigen, nicht wahr? Noch vor wenigen Jahren wären solche Begriffe noch als esoterischer Blödsinn abgetan worden. Heute bilden sie die Grundlage der „schönen neuen Elektronik-Welt“. Spricht man übrigens Peter Rosenbeck darauf an, daß diese Erfindung auch ganz schön bedrohlich klingt, erhält man prompt die „beruhigende“ Auskunft, die bei der Datenübertragung fließenden Ströme seien zu schwach, um Schaden im Körper anzurichten - geringer als bei einer Quarzuhr. Darauf kann man dreierlei antworten: 1.     Wer sagt eigentlich, daß eine Quarzuhr für die Gesundheit unschädlich ist? 2.     Sobald jemand betont, daß irgendeine Technologie „bestehende Grenzwerte einhält“, sollte man ohnehin hellhörig werden (zur Unsinnigkeit von Grenzwerten siehe auch „Im Netz der Frequenzen“). 3.     Das eigentlich Bedrohliche an dieser Technologie, nämlich die Möglichkeit, einen gläsernen Menschen zu schaffen, der unkontrolliert und unbemerkt jederzeit ausgeforscht werden kann, hat Herr Rosenbeck vorsichtshalber gleich verdrängt. Die Graphik aus dem Microsoft-Patent verdeutlicht schematisch, wie nach Ansicht der Erfinder in der Zukunft der „optimal verkabelte Mensch“ aussehen wird. Zunächst einmal trägt der Mensch einen tragbaren Computer (20) und einen Pager (22) bei sich. Die Energieversorgung befindet sich im Schuh (32). Alle Geräte sind natürlich über den menschlichen Körper als Datenleitung miteinander vernetzt, ohne daß hierfür zusätzliche Kabel erforderlich wären. Der Computer kann einerseits natürlich als Datenspeicher verwendet werden, andererseits auch als Download-Speichermedium, etwa für Musikstücke nach dem MP3-Standard, die sich der Mensch dann mit Hilfe eines Audio Playback Systems im Ohr (30) anhören kann. Am linken Arm ist ein Keyboard (Computertastatur) zur Steuerung des Computers so montiert (24), daß sie für die rechte Hand leicht erreichbar ist. Direkt oberhalb davon, am Handgelenk, befindet sich das Display (also sozusagen der Bildschirm des Computers, 26). Es wird ähnlich wie eine Armbanduhr getragen. Am rechten Handgelenk befindet sich das Audio Input Device (28), das Eingabegerät zur Sprachsteuerung, im Prinzip also nichts anderes als ein Mikrofon. Es kann ebenfalls an einem Armband getragen werden. Die ganze Anlage dient natürlich nicht nur zum Musikhören, sondern kann bei geeigneter Softwareausstattung auch als über den Körper verteiltes Handy zum Telefonieren, zur Speicherung und Übertragung persönlicher Daten, als Organizer zur Verwaltung wichtiger Termine etc. verwendet werden. Schauen Sie sich zum Schluß bitte noch das Gesicht der Figur in Fig.1 an - es ist natürlich ein Smilie. Zumindest nach Ansicht der Erfinder ist also ein derart ausgerüsteter „Homo electronicus“ natürlich restlos glücklich! (aus KonteXt 3/2004)