Galilei, der Papst und die Bienen |
|
|
|
Wenn die Gravitation verrückt spielt |
|
Auszug aus dem gleichnamigen Kapitel des Buches „Vernetzte Intelligenz“ von Grazyna Fosar und Franz Bludorf |
|
|
Wenn man die italienische Hauptstadt Rom in südöstlicher Richtung entlang der Via Appia Nuova verläßt, erreicht man nach etwa 60 Kilometern die idyllische Landschaft der Albaner Berge. Es ist ein uraltes vulkanisches Bergland, aber die Vulkane waren bereits zur Zeit der alten Römer erloschen. In ihren Kratern haben sich teilweise Seen gebildet. Der größte von ihnen, der Albaner See, diente schon zur Römerzeit als Wasserreservoir. Die Verlängerung der Via Appia Nuova, die Via dei Laghi, führt den Autofahrer rund um den malerischen See. Doch nicht nur landschaftliche Schönheiten gibt es entlang dieser Straße zu bewundern. Kurz hinter der Ortschaft Rocca di Papa kommt es im Verlauf der Via dei Laghi zu einer seltsamen Anomalie. Flaschen und andere Gegenstände rollen hier in einer schwachen Steigung ohne zusätzliche Antriebskraft bergauf. Selbst schwere Autos lassen sich im Leerlauf bei ausgeschaltetem Motor ohne weiteres den Berg hinaufbewegen. Berichte über diesen bemerkenswerten Ort wurden in Deutschland erstmals durch den Fernsehjournalisten Rainer Holbe bekannt gemacht. Seither gibt es über den seltsamen Effekt erbitterte Diskussionen: Ist das ganze nur eine optische Täuschung, oder spielt an diesem Ort wirklich die Gravitation verrückt? Da es ganz offensichtlich bisher keine wissenschaftlich abgesicherten Erkenntnisse darüber gibt, haben wir im Rahmen einer Forschungsreise nach Italien den Fall gründlich untersucht. Es war noch früh im Jahr, Ende April, aber dennoch schon ein heißer Tag, als wir die Straßen Roms hinter uns ließen und in die Albaner Berge aufbrachen. Die Fahrt war trotz der malerischen Landschaft mit ihren Weingärten und den großen Zypressen entlang der Allee alles andere als ein gemütlicher Ausflug. Die Via Appia Nuova ist Zubringerstraße zum kleineren römischen Flughafen Ciampino, und so bewegten wir uns kilometerlang nur im Stop-and-Go-Tempo weiter. Dann erreichten wir Rocca di Papa. Es ist ein etwas verschlafenes Bergstädtchen, das allerdings auf eine recht bewegte Geschichte zurückblicken kann. Sie weist einige kuriose Phasen auf, so zum Beispiel eine Episode während der Revolte von 1855. Damals proklamierten die Bewohner des Ortes eine eigene »Repubblica di Rocca di Papa«, die aber nur kurze Zeit Bestand hatte und schließlich mit der Verhaftung von 17 Bewohnern endete. Ein Hinweis auf größere Freigeistigkeit in dieser Gegend, möglicherweise sogar als Ausdruck einer verringerten Gravitation, die das Bewußtsein der Menschen hier nicht so stark trüben kann? Während wir durch die engen Gassen des Ortes kurvten, war von alledem nicht mehr viel zu spüren. Kaum ein Mensch war zu dieser Zeit, kurz nach Mittag, unterwegs, und selbst die Restaurants hatten geschlossen. Nicht unbedingt eine praktische Situation, wenn man nach der genauen Position der rätselhaften Stelle an der Via dei Laghi fragen will. Schließlich fanden wir eine kleine Imbißbude, mit deren Inhaber wir uns radebrechend einigermaßen verständigen konnten. Auf das Schlagwort »fenomeno« jedenfalls reagierte er augenblicklich. Nur wenige Meter noch, so seine Auskunft, hatten wir zu fahren, dann an der Ampel abbiegen und – den Motor abschalten! Es war schon ein etwas unheimliches Gefühl, das vertraute Motorengeräusch nicht mehr zu hören und dennoch in langsamem Tempo die Steigung hinaufzurollen. Auch wenn wir schon viel über das Phänomen gelesen hatten und bereit waren, daran zu glauben – es selbst zu erleben, ist doch etwas anderes. Als wir aus dem Auto ausstiegen, um die Stelle zu Fuß weiter zu erkunden, gab es eine weitere Überraschung. Die ganze Stimmung des Ortes paßte nicht zu der Umgebung. Vorbei war die gleißende Sonnenstrahlung, die uns auf der Fahrt so zu schaffen gemacht hatte. Das ganze Gebiet lag unter einer düsteren Wolkendecke, und es war kalt – so kalt, daß wir uns erst einmal eine warme Jacke überziehen mußten. Wir hielten uns einige Stunden an der Stelle auf, und unsere Hände waren steifgefroren! Wir mußten an Eugene Podkletnov und sein Antigravitationsexperiment denken. Über der rotierenden Scheibe war lokal der Luftdruck erniedrigt, was den Pfeifenrauch seines Kollegen senkrecht nach oben steigen ließ. Befand sich etwa auch über dieser Region ein lokales Tiefdruckgebiet? Nach nur einem Besuch kann man hierüber natürlich nichts Abschließendes sagen. Tatsache ist, daß wir auf dem Heimweg nach höchstens 500 Metern an einem Landgasthaus Rast machten, um uns nach der Forschungsarbeit mit einem kräftigen italienischen Essen zu stärken. Der Gasthof lag aber bereits wieder im gleichen Sonnenschein, dem wir auf der Hinfahrt bereits ausgesetzt waren. Die mutmaßliche Steigung beginnt in einer kleinen Bodensenke und führt bis zu einer Kuppe nach etwa 200 Metern. Läuft man diese Steigung hinauf, so hat man ein eigenartiges Gefühl der Beschleunigung, so als ob man nicht bergauf, sondern eher einen Hügel hinunterlaufen würde. Man muß aufpassen, dabei nicht ins Rennen zu verfallen. Es ist kein Kraftaufwand dabei zu spüren. Nicht nur ein PKW kann ohne Motorkraft die Straße bergauf rollen, sondern dies funktioniert sogar bei vollbesetzten Touristenbussen, wie wir selbst gesehen haben. Ganz offenbar beziehen Touristikunternehmen (hauptsächlich aus Deutschland) diesen seltsamen Ort bereits in ihre Rundfahrten ein. [Anm. d. Autoren: Wenn Sie erfahren möchten, was unsere physikalischen Messungen an diesem seltsamen Ort ergeben haben, was Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam über Gravitationsanomalien zu sagen haben und was das Ganze noch dazu mit Galilei und dem Papst oder mit Bienen zu tun hat, dann können Sie es im Buch „Vernetzte Intelligenz“ nachlesen.] |
|
Zuletzt geändert: