„Ich habe mich selbst neu erfunden“

Uri Geller privat

Grazyna Fosar und Franz Bludorf

Sonning Court - der Besitz von Uri Geller - befindet sich in dem Städtchen Sonning, einem Vorort von London. Es fließt hier ein Bach, der in die Themse mündet. Er bildet zwei kleine Wasserfälle und einen kleinen See - hier hat man über ihn eine märchenhafte kleine Brücke gebaut. Skulpturen, reicher, schöner Pflanzenwuchs, farbige Steine am Ufer und eine riesige Weide mit einer breiten Krone bilden ein idyllisches Bild. Nachdem allerdings die Wände seines Hauses mehrfach mit Graffiti beschmiert worden waren, mußte Geller den Schutz seines Besitzes verstärken.

Abb. 1: Uri Geller vor seinem Landsitz in der Nähe von London.

 „Ich habe mich selbst neu erfunden“, sagt Uri Geller.

Das Innere seiner Residenz ist reich und originell dekoriert. Echte Gemälde von Dali und Picasso. Im Salon Sessel aus Glas, die ein bekannter Designer entworfen hat. Auf einem der Sessel sitzt die große Figur eines Tauchers.

Abb. 2

 „Ich teile mein Leben in zwei Teile ein.”, sagt Geller, „Zur Zeit zeige ich mich weniger in der Öffentlichkeit. Hauptsächlich betreue ich kranke Kinder. Sie kommen zu mir aus der ganzen Welt. Außerdem schreibe ich immer noch Bücher in den Bereichen Parapsychologie, Science-Fiction oder ganz einfach Romane. Ich male, helfe jungen Malern und Bildhauern, schreibe für meine festen Rubriken in den Londoner Zeitungen und nehme an Fernsehprogrammen teil. Ein Teil dieser Programme sind sogar Reality–TV.

Ich bin glücklich. Aus dem Stadium des Geldsammelns bin ich schon hinausgewachsen. Ich habe genug Geld.“

Für viele ist Uri Geller eine geheimnisvolle Gestalt. Er selbst will, daß man ihn als Mentalisten, also einen Menschen mit großen mentalen Fähigkeiten bezeichnet. Auf jeden Fall sagt man über ihn, daß er eine charismatische und schillernde Persönlichkeit hat.

„Am Anfang meines Weges hat Golda Meir, die Premierministerin von Israel, für mich eine unglaubliche Reklame gemacht. Ich habe sie Anfang der siebziger Jahre bei einem Empfang bei Rechawam Zeew kennengelernt. Am nächsten Tag, auf die Frage von Journalisten, wie sie die Zukunft Israels sieht, sagte sie: Fragt nicht mich, fragt ihn, fragt Uri Geller. Noch am selben Tag fing in meinem Haus das Telefon an zu klingen. Alle Journalisten wollten wissen, wer ich bin. Mein Name stand in allen Zeitungen. Und so hat die ganze Geschichte angefangen.”

Sein Auftreten in der High Society

Kaum jemand weiß, daß Uri Geller ein Nachkomme von Sigmund Freud ist und daß in seinem Ausweis auch der Name Freud steht. Uri Geller ist in Israel geboren, in Tel-Aviv, am 20. Dezember 1946 um 2:30 (falls Astrologen es brauchen).

Als Uri elf Jahre alt war, zog seine Familie nach Zypern um.

Sein Familienhaus hat der MOSSAD damals als einen sicheren Punkt betrachtet. Oft haben sich hier Agenten aufgehalten.

Abb. 3: Der junge Uri Geller 1970 bei einem seiner öffentlichen Auftritte

Der kleine Uri, der schon in früher Kindheit entdeckte, daß er besondere Fähigkeiten hat, nervte damals gerne seine Lehrerinnen. Er las ihre Gedanken während der Klassenarbeiten. Uri wollte schon damals ein Agent werden und für den MOSSAD ar­beiten. Er wollte bei dieser Arbeit seine telepathischen Fähigkeiten einsetzen. Joaw Shacham, der damalige Chef des MOSSAD auf Zypern, sagte zu ihm: „Zuerst fahre nach Israel, gehe zur Armee, fange an bei den Fallschirmspringern. Später, wenn du es noch immer willst, melde dich beim MOSSAD, und du kannst ein Agent werden.“

Der 17jährige Uri befolgte diesen Rat, ging nach Israel und begann eine Offiziersausbildung. „Eines Nachts bin ich während meines Dienstes bei meiner Wache eingeschlafen. Am nächsten Tag hat mich Meir Pail rausgeworfen. Ich hatte damals einen kleinen Motorroller der Marke Vespa, und mit ihm kam ich nach Hause. Gebrochen fiel ich auf mein Bett. Der Lärm der Martinshörner weckte mich auf. Im Radio sprach man über Krieg. Ich bin sofort zur Basis zurückgekehrt, aber dort wußte man nicht, was man mit mir machen sollte. Ich wurde doch entlassen. Letztendlich sagte man mir, ich sollte nach Jerusalem fahren und mit mir acht weitere Soldaten.“

Geller kam zusammen mit seinen Kameraden nach Nordjerusalem. Der Sechs-Tage-Krieg (5.-10.6.1967) war ausgebrochen. Jordanische Flugzeuge hatten Israel attac­kiert. Seine Kameraden fielen, einer nach dem anderen.

„Ich sah, wie mein Kommandant getötet wurde. Plötzlich sprang von einem Felsen ein jordanischer Soldat. Er schaute mich an und zielte mit seiner Waffe auf mich. Ich schaute ihn an und zielte mit meinem Uzi. Wir haben geschwiegen. Ich drückte den Abzug und tötete ihn. Meine Reaktion war sehr merkwürdig. Ich sprang zu ihm und fing an, nach seiner Erkennungsmarke zu suchen. Ich wollte wissen, wie er hieß...

Ich habe nicht verstanden, was ich da getan hatte. Ich konnte nicht begreifen, daß ich einen Menschen getötet hatte. Nach einer halben Stunde wurde ich an beiden Armen verwundet. Dann habe ich noch in der Nähe meines Auges einen Splitter abbekommen... ich wachte auf im Krankenhaus.

Erst als ich dort im Bett lag, habe ich begriffen, daß ich einem anderen Menschen das Leben genommen hatte.

Dieser jordanische Soldat, der einzige Mensch, den ich in meinem ganzen Leben getötet habe, ist jetzt für mich wie ein Bruder. Die ganze Zeit steckt er in meiner Seele, und ich weiß, daß ich ihn eines Tages auf der anderen Seite treffen werde.

Manchmal habe ich in der Nacht Alpträume, in denen er vorkommt. Er kommt zu mir im Traum, hält mir meine Uniform entgegen und fragt: ‘Warum hast du mich getötet ? Warum gerade mich?’“

Nach dem Sechs-Tage-Krieg arbeitete Uri Geller ein Jahr lang als Model. Eines Tages hat er, ganz zum Spaß, nur mit der Kraft seiner Gedanken alle Schlüssel eines der Fotografen verbogen. Der lud ihn dann nach Hause zu sich ein, damit er seine Kräfte seinen Freunden zeigen konnte. So begann die Showkarriere von Uri Geller. Nach den Fotografen kamen Rechtsanwälte, Richter, Generäle, Mitglieder der Knesset - bis zu Golda Meir.

Uri Geller ist mit Hanna verheiratet und Vater von zwei Kindern. Sein Sohn Daniel ist Rechtsanwalt von Beruf, die Tochter Natalie arbeitet als Projektantin.

Vor einigen Jahren fand Uri Geller, daß es an der Zeit wäre, eine echte religiöse Hochzeit zu feiern. Bis dahin lebten er und Hanna nur nach einer zivilen Trauung zusammen. Die Hochzeits­zeremonie zelebrierte Shmuley Boteach, einer der wichtigsten Rabbiner in England. Trauzeuge war Michael Jackson, ein langjähriger Freund der Familie Geller.

Hanna hat sich inzwischen an die ungewöhnlichen Fähigkeiten ihres Mannes gewöhnt und sagt, daß es nicht stimmt, daß er zu Hause den ganzen Tag lang Bestecke verbiegt.

Meditation in einer Pyramide

In den letzten Jahren widmet sich Uri Geller vor allem kranken Kindern, die er aus der ganzen Welt zu sich einlädt. In der Mitte des Hofes hat er eine große Glaspyramide aufgestellt. Er hat diese Pyramide selbst entworfen, der Theorie folgend, daß in ihrem Innern spezifische Prozesse ablaufen.

Abb. 4: Die Glaspyramide in Uri Gellers Garten.

Die Pyramide von Uri Geller ist groß und bequem. In ihr gibt es drei Computer, mehrere Sofas und Spielecken, auch viele Spielzeuge.

„Aus allen Ländern kommen zu mir Kinder.”, sagt er. „Ich bin kein Heiler, aber ich glaube an eine positive Kraft der Meditation, des Gebetes und der Phantasie. Ich spreche darüber mit den Kindern. Eine Pyramide ist ein besonderer Platz in psychologischem Sinne. Die ganze Ausstattung der Pyramide hat Mohammed Al Fayed für die Kinder gespendet.”

Häufig wird Uri Geller auf seine Freundschaft mit Michael Jackson angesprochen.

Abb. 5: Michael Jackson war Uri Gellers Trauzeuge.

„Er hat zur Zeit ernsthafte Probleme, aber ich glaube nicht, daß er etwas Schlechtes getan hat. Vor zwei Jahren habe ich einen Fehler gemacht, als ich Martin Bashir zu Michael geschickt hatte. Er ist ein Kameramann, der mir versprochen hatte, einen positiven Film über Michael zu drehen. Ich habe ihm geglaubt, aber er hat uns ein Messer in den Rücken gestochen. Sein Film zeigte Michael in einem schlechten Licht. Michael war sauer auf mich. Aber unsere gemeinsame Beziehung ist gut“.

„Aus meinem Körper geht eine Energie”

Über seine Fähigkeiten erzählt Uri Geller: „Das ist richtige Telepathie und Gedankenlesen, das ist kein Trick oder eine Illusion. Noch immer gebe ich Vorstellungen und zeige den Menschen das Biegen von Löffeln und das Lesen der Gedanken. Wenn ich müde bin, klappt es oft nicht. Eines Tages hatte ich in Japan eine Vorstellung. 40 Millionen Menschen haben vor den Fernsehern gesessen. Ich habe versucht, einen Löffel zu biegen. Es hat nicht funktioniert. Ich habe mich entschuldigt. Es war mir peinlich. Aber sie haben mir geglaubt, daß ich die Wahrheit sagte, gerade weil diese Demonstrationen nicht immer funktionieren. Wenn ich eine telepathische Übertragung sende oder mich auf einen Löffel konzen­­triere, fühle ich, wie von meinem Körper eine Energie ausgeht.“

Abb. 6

Einen Tag vor Beginn der Showserie „The Next Uri Geller“ war er im Fernsehstudio bei Stefan Raab zu Gast. Auch an diesem Abend haben seine Fähigkeiten vor der Kamera nicht funktioniert. Allerdings wurde man den Eindruck nicht los, daß er nicht wollte, daß sie funktionieren.

Begegnung mit Richard Feynman

Der weltbekannte Physiker Richard Feynman, der Uri Geller kennengelernt und ihn auch während seiner Vorstellungen beobachtet hat, gab den folgenden Kommentar ab: „Ich bin klug genug, um zu wissen, daß ich dumm bin. Eine Arbeit, die ein guter Illusionist machen kann, soll uns nicht sofort zu einer Schlußfolgerung führen, daß wir es hier nicht mit einem realen Ereignis zu tun haben.“

Geller jedoch sieht nicht so aus, als ob er von seinen Gegnern gehetzt würde. Er wirkt ruhig und überzeugt von der Richtigkeit dessen, was er tut.

Bindung an den Kosmos

Auf dem Hof seines Landsitzes befinden sich einige Skulpturen, ein Stein aus der Chinesischen Mauer und ein Baum, der mehr als 100.000 Jahre alt ist.

„Vor kurzem ist ein Ehepaar mit einem Mädchen gekommen, das im Koma lag. Sie haben das Mädchen in die Pyramide gebracht, gestern war dort ein blinder Junge aus Spanien. Ich nehme alle diese Kinder ohne Geld, ich würde niemals denken, daß man Geld von kranken Kindern nehmen kann. Ich meine, daß, wenn es auf der Welt wahre Heiler gibt, sie niemals Geld nehmen sollen. Immer sage ich den Kindern, daß sie stark sein sollen, an sich glauben und an der Konzentration der Gedanken arbeiten sollen. Mit kranken Kindern treffe ich mich schon seit 30 Jahren. Alles begann damit, daß ich einmal eine Gruppe von Kindern auf die Bühne eingeladen hatte bei einer Vorstellung. Nach der Vorstellung kamen sie zu meiner Gar­derobe. Dann fingen die Eltern an mich anzurufen und haben erzählt, daß der Kontakt mit mir den Kindern geholfen hätte. Unter diesen Kindern waren auch solche, denen die Ärzte schon nicht mehr lange zu leben gegeben haben. Aber sie leben. In Wahrheit ist jedes Kind in der Lage, das positive Denken bei sich zu aktivieren. Und wenn es ihm gelingt, an sich zu glauben, ist so ein Kind in einer viel besseren Situation als eines, das nicht glaubt, daß es gesund werden kann.

Ich habe nach Öl und nach Gold gesucht. Damit machte ich mein Glück. Nicht mit dem Biegen von Löffeln. Und jetzt sind für mich die kranken Kinder am wichtigsten.

Immer empfehle ich auch den Kindern und deren Eltern den Glauben an die Medizin, sie haben doch ihre Gesundheit als das Ziel vor Augen. Ich betone sehr, daß sie auf die Ärzte hören sollen. In meinem Haus gibt es viel Freude und eine sehr positive Atmosphäre. Die Kinder mögen es, hierher zu kommen. Ich lade nur die ein, die krank sind. Ich zeige den Kindern, wenn ich dem Löffel sagen kann ‘Biege dich’, und er tut es, daß auch sie alle sich sagen können ‘Werde gesund’, und es wird geschehen.“

Big Ben

Schon in der Kindheit zeigte Uri Geller paranormale Fähigkeiten. Wenn er z.B. Suppe aß, bogen sich die Löffel, und die Suppe landete zurück auf dem Teller.

           

Abb. 7 und 8: Uri Geller mit seiner Mutter Margaret. Sie starb 2005 im Alter von 92 Jahren.

Die Erfahrungen Uri Gellers mit der Entdeckung seiner Fähigkeiten sind in dem Buch „A Journal of the Mystery of Uri Geller“ von dem Arzt A. Puharich vorgestellt worden. Er hat Uri im Jahre 1971 kennengelernt. Uri Geller erzählt in diesem Buch, daß er als kleines Kind im Garten ein leuchtendes Objekt gesehen hat, das aus der Richtung vom Himmel kam. Dann sah er den Schatten einer großen Gestalt, die in seine Richtung mit einem hellen, blendenden Licht „geschossen“ hat. Dieses Ereignis hatte zur Folge, daß er sofort einschlief. Danach entdeckte er, daß er ungewöhnliche Kräfte besaß.

Nach England kam Uri Geller in den siebziger Jahren. Er war damals 30 Jahre alt und hatte im britischen Fernsehen seinen ersten Auftritt. 30 Millionen Zuschauer haben dieses Programm gesehen.

Vor ca. 15 Jahren, als Geller mit einem Taxi in London unterwegs war, hat ihn der Taxifahrer gefragt, ob er die Zeiger von Big Ben um eine Stunde vorwärts bewegen könne. Sie verabredeten, daß das Taxi möglichst sehr nahe an der Uhr vorbeifahren sollte, damit er es ausprobieren konnte. Uri Geller konzentrierte sich, aber es geschah nichts.

Er hat es dann noch einmal versucht, und die Uhr blieb plötzlich stehen.

Bald bekam Uri Geller von der Stadtverwaltung einen Brief, in dem stand: „Lieber Herr Geller, wenn Sie das noch mal machen, werden wir Sie aus England ausweisen. ...“

In den siebziger Jahren wurden an der Universität Stanford mehrere Tests durchgeführt. Ziel war die Überprüfung und Untersuchung der paranormalen Fähigkeiten von Uri Geller. Er hat in Anwesenheit von Wissenschaftlern Löffel verbogen und ihre Gedanken gelesen. Die Ergebnisse dieser Experimente, die die Forscher ins Staunen brachten, wurden in „Nature“ publiziert.

In den letzten Jahren lehnt Uri Geller seine Teilnahme an derartigen Untersuchungen ab. Er ist der Meinung, daß der Streß, den er bei solchen Experimenten erleiden muß, schlecht auf ihn wirkt. Außerdem hat er es nicht mehr nötig, sich selbst etwas zu beweisen, er weiß, was er kann.

***

Bearbeitung und Übersetzung: Grazyna Fosar

Quellen:

Interview von Eti Elboim mit Uri Geller für die Zeitschrift „Makor Riszon”.

„Nieznany Świat” Nr. 3/2005. Übersetzung und Überarbeitung: Agnieszka Ewa Woźniak.

Alle Fotos: © Uri Geller

 

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