
Symphonie in Stein
»Ein beinahe lächerlich kleines Stück Raum am Rande eines als unbegrenzt
geltenden Kosmos ist überwunden worden; die Fähigkeit aber, in den Kosmos des
menschlichen Gehirns einzutauchen, so wie es unseren Vorfahren noch möglich
war, ist verlorengegangen. Der Mensch findet nicht mehr zu dem Reichtum und
den Wundern eines freien Lebens; die Trugbilder einer falschen, Schritt für
Schritt in das Nichts führenden Wissenschaft halten ihn gefangen.«
Der französische Schriftsteller Pierre Derlon, von dem diese Worte
stammen, hat über dreißig Jahre seines Lebens dem Studium des Lebens und der
Gebräuche französischer Zigeunerstämme gewidmet, und als wohl erstem
Nichtzigeuner gewährten ihm die Patriarchen dieses geheimnisumwobenen Volkes
Einblick in ihr altüberliefertes Wissen.
Schon früh war Derlon aufgefallen, daß sich der
Anführer einer Sippe des öfteren während des Tages für einige Stunden in
einen abgelegenen »Garten der Einweihung« zurückzog, um dort zu
meditieren. Diese »Gärten« hatten bei allen Zigeunerstämmen, die Derlon
besuchte, immer wieder die gleiche Gestalt: In einem mit Holzpflöcken
abgesteckten Rechteck legten sie in zwei Reihen geometrische Figuren aus Holz
oder Blech aus: Je ein Rechteck, ein Quadrat und einen Kreis von abwechselnd
blauer und roter Farbe.
Später wurde Pierre Derlon in das Geheimnis dieser
Gärten eingeweiht: Der Meditierende setzt sich vor die ausgelegten Tafeln und
betrachtet diese mit leicht schielendem Blick, so daß sich die beiden Reihen scheinbar
verdoppeln und sich schließlich in der Mitte zu einer einzigen vereinigen. Es
kann ihm so gelingen, in innere Erkenntnisräume einzudringen, die dem
oberflächlichen Denken unserer heutigen Zeit fremd geworden sind.
Die verwendete Sehtechnik ist gegenwärtig hochaktuell und kommt unter
anderem auch bei den derzeit so in Mode gekommenen »Cyberoptics«, den dreidimensionalen
Illusionsbildern, zur Anwendung.
Doch die »Gärten der Einweihung« der französischen Zigeuner waren alles andere als ein
vergnüglicher Zeitvertreib. Es gilt für uns einmal mehr, von der Oberfläche
eines Phänomens in die Tiefe zu schauen und so verlorenes Wissen
wiederzuentdecken. Daß bei der Betrachtung der hier ausgelegten geometrischen
Formen die gleiche Sehtechnik angewandt wurde wie bei den heutigen
Computerbildern, bedeutet noch lange nicht, daß in beiden Fällen auch das
gleiche geschieht.
Es ist schwer, das Weitere in Worten zu beschreiben. Am besten wäre es,
Sie würden selbst einmal versuchen, die blauen und roten Farbtafeln durch
Schielen mit den Augen zunächst zu verdoppeln und die verdoppelten Bilder
schließlich in der Mitte zur Deckung zu bringen. Als erstes dürften Sie
bemerken, daß die entstehende mittlere Reihe in Richtung der dritten
Dimension aus dem Papier herauszuspringen scheint. Dies entspricht dem Effekt
der Cyberoptics.
Um die weiteren Vorgänge zu verstehen, müssen wir einen kleinen Ausflug in
die Physiologie des Gehirns machen. Die linke Tafelreihe wird bei der
vorliegenden Sehtechnik hauptsächlich mit dem rechten Auge gesehen, das mit
der linken Gehirnhälfte verbunden ist. Analog gelangt das Bild der rechten
Tafelreihe über das linke Auge in die rechte Gehirnhälfte. Das Sehzentrum im
Gehirn versucht nun stets, aus den Informationen, die ihm die beiden Augen
liefern, ein konsistentes Bild zusammenzusetzen. Dadurch entsteht unsere
Fähigkeit, stereoskopisch, also dreidimensional, zu sehen.
In diesem Fall aber wird das Gehirn vor eine schwierige Aufgabe gestellt,
da die von den Augen gelieferten Informationen in der Farbgebung nicht
übereinstimmen. So pflegt das dreidimensionale Bild zu Anfang zwischen den
Farben Rot und Blau hin- und herzuspringen, bis man schließlich nach einiger
Zeit den Mischton Violett sieht. Das Bild kommt zur Ruhe.
Gehirnphysiologisch spricht man von einer Synchronisation der beiden
Großhirnhälften, und man weiß heute genau, daß dadurch tief veränderte
Bewußtseinszustände ausgelöst werden können –
eine Erfahrung, die den Zigeunern seit Jahrhunderten bekannt ist.
Mit zunehmender Übung kann es auch Ihnen gelingen, das dreidimensionale
Illusionsbild in der Mitte der Tafel länger und länger festzuhalten und
dadurch auch bei sich selbst tief meditative Zustände zu erreichen.
(Genaueres im Abschnitt „Verborgene
Wirklichkeit“)
Es hat sich gezeigt, daß die Tafeln von Chartres insbesondere eine starke
Wirkung zeigen, wenn man die Übung kurz vor dem Einschlafen macht. Dies kann
tiefgreifende Auswirkungen auf das Traumleben haben und zu sehr interessanten
Traumerfahrungen führen. Aus diesem Grund sind die Tafeln auch von ganz
besonderer Bedeutung in Zusammenhang mit Klartraumübungen (s. auch "Spektrum der Nacht")
Doch die »Gärten der Einweihung« bergen noch weitergehende
Geheimnisse. Wer über längere Zeit mit den Tafeln arbeitet, kann an sich
Bewußtseinsveränderungen erleben, die allein durch
den Zustand der Gehirnsynchronisation nicht mehr erklärt werden
können. Die verwendeten geometrischen Figuren sind aber auch nicht beliebig
gewählt. Das Rechteck hat ein Seitenverhältnis von 2 zu 1, und das Quadrat
und der Kreis sind so konstruiert, daß alle drei Flächen den gleichen
Flächeninhalt haben. Diese Konstruktion sprengt symbolisch den Rahmen unseres
rationalen Denkens, denn die Quadratur des Kreises ist eine für unsere
bekannte Geometrie unlösbare Aufgabe.
Ganz offenbar ist die Verwendung genau dieser Figuren entscheidend für die
tiefen Bewußtseinsveränderungen, die beim Betrachten der
Tafeln ausgelöst werden können. Pierre Derlon konnte durch eigene
Experimente belegen, daß bereits durch das Weglassen einzelner Figuren (wenn
man zum Beispiel nur die Quadrate betrachten würde) die Wirkung abgeschwächt
wird. Er fragte den Zigeunerpatriarchen Pietro Hartiss eines Tages, woher den
Zigeunern diese Tafeln bekannt seien, und erhielt zur Antwort, sie stammten
aus der Kathedrale von Chartres.
Dies führt uns zurück zum Ausgangspunkt unserer Überlegungen, wonach seit
uralter Zeit Menschen ihr geheimes Wissen in heiligen Stätten in Stein
verewigt und in der geometrischen Anordnung ihrer Kultorte auf Landkarten hinterlassen
haben. Wenn auch unsere heutige Wissenschaft den Blick für diese Geheimnisse
weitgehend verloren hat – die Zeugnisse uralter Weisheit liegen überall offen
herum und warten darauf, von uns wiederentdeckt zu werden.
Wer immer die Kathedrale von Chartres besucht hat, der weiß, daß
es sich hierbei nicht um irgendeine Kirche handelt. Er wird nach dem
Verlassen dieses Gebäudes nicht mehr der selbe Mensch sein wie vorher. Die
offizielle Wissenschaft sagt, daß es sich um die älteste im gotischen Stil
erbaute Kathedrale handelt, deren erste Bauphasen bis ins 12. Jahrhundert
reichen. Darüber hinaus jedoch merken selbst anerkannte Kunsthistoriker wie
etwa Jan van der Meulen und Jürgen Hohmeyer an: »Sie wirft damit
auch sofort die Frage auf, wieviel von den Beweggründen, die diesen Bau
bewirkt haben, mit den Stil- und Epochenbegriffen einer neuzeitlichen
Kunstgeschichtsschreibung überhaupt zu erfassen sind, ja, ob solche Begriffe
den Zugang nicht viel eher verstellen als erleichtern.«
Die Kathedrale von Chartres ist mehr als ein normales
Gotteshaus, sie ist auch mehr als ein Kunstobjekt – sie ist eine mystische
Einweihungsstätte voller Geheimnisse.
Einige Besonderheiten fallen sofort ins Auge. So ist das Kirchenschiff, im
Gegensatz zu den meisten anderen mittelalterlichen Kathedralen, nicht in
ost-westlicher Richtung ausgerichtet, sondern in einem Winkel von etwa 47
Grad in Richtung Nordost. Auf einem Hügel erbaut, überragt sie die umgebende
Stadt derart, daß von der Autobahn aus nur die Kirche, nicht aber die Stadt
zu sehen ist. Das imposante Gebäude würde man ohnehin eher in einer viel
größeren Stadt vermuten. Chartres zählt heute etwa 87000
Einwohner und dürfte im 12. Jahrhundert bestenfalls von einigen Tausend
Menschen bewohnt gewesen sein. Wozu brauchte eine so kleine Stadt ein so
monumentales Gotteshaus, und woher kamen die Arbeiter und die gewaltigen
Geldmengen zum Bau der Kirche? Diese Frage wird noch weitere Kreise ziehen, und wir werden
darauf noch eingehen müssen.
Im Innern der Kathedrale stößt man auf weitere Merkwürdigkeiten. So
entdeckte der französische Journalist und Sachbuchautor Louis Charpentier an einer Stelle des
Fußbodens einen merkwürdigen, nicht passenden Stein. Genau oberhalb dieses
Steins hat eines der mittelalterlichen Buntglasfenster ein ganz offenbar
beabsichtigtes Loch, durch das genau am 21. Juni, am Tag der
Sommersonnenwende, um 12 Uhr mittags ein Sonnenstrahl auf diesen Stein fällt.
Auch die Winkelabweichung von 47 Grad von der Ost-West-Ausrichtung konnte
Charpentier klären: Sie peilt exakt
den Sonnenaufgang zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche im Frühling an.
Derartiges würde man doch wohl eher in einem prähistorischen heidnischen
Sonnenheiligtum wie dem englischen Stonehenge vermuten als in einer
christlichen Kathedrale des Mittelalters, gebaut in einer Zeit, als die
allmächtige und alleinseligmachende katholische Kirche jede Abweichung von
der offiziellen Lehre Roms mit dem Scheiterhaufen bedrohte!
Und wie ist die Bemerkung des Zigeunerpatriarchen zu verstehen, seine
Meditationstafeln entstammten der Kathedrale von Chartres?
Wenn Sie denken, Sie könnten die Kirche betreten und würden irgendwo in einem
Mosaik oder Kirchenfenster diese drei geometrischen Figuren finden, so
täuschen Sie sich. Es handelt sich wieder um verborgenes Wissen, das erst
entdeckt werden will, um ein Wissen, das viel gewaltigere Konsequenzen in
sich birgt, als man auf den ersten Blick annehmen würde.
Louis Charpentier hat dieses Rätsel in
langjähriger Forschungsarbeit zumindest teilweise gelöst: Die drei Tafeln von
Chartres sind in der Geometrie der Kathedrale
verewigt, sie bilden sozusagen einen unsichtbaren Bauplan, der ihre
gesamten Proportionen in entscheidender Weise prägte.
Es beginnt damit, daß der Chor der Kathedrale
genau doppelt so lang wie breit ist. Seine abschließende Rundung ist so
gewählt, daß der Flächeninhalt genau einem Rechteck mit einem
Seitenverhältnis von 2:1 gleicht. Die erste Tafel hätten wir also gefunden
(Abb. 2).
Konstruiert man nun ein Quadrat mit gleichem Flächeninhalt und legt es in
Gedanken auf dem Fußboden aus, so zeigen seine Ecken die Breite des
Hauptschiffes an. Seine Seitenlänge ist 23,19 Meter, was einem Zehntel der
Grundlinie der Cheopspyramide entspricht.
Ein anschließender gedachter Kreis mit gleicher Fläche endet genau am
Hauptportal. Die drei Figuren zusammen bestimmen also die Länge des
Kirchenschiffs. Welchen Grund konnten die Erbauer haben, derartige
geometrische Formen als Grundlage des Kathedralenbaus zu benutzen? Wir sind
hier einer heiligen Geometrie auf der Spur, die uns weit
über die Erkenntnisse einer einseitig materialistisch ausgerichteten
Wissenschaft hinausführt.
Gemäß einer alten Überlieferung haben drei Tafeln den heiligen Gral getragen, und »ihre Zahl
ist 21«.
Die erste Gralstafel ist danach die im Neuen
Testament überlieferte rechteckige
Tafel, an der Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl feierte. Hatte sie – wie
Charpentier vermutet – ein
Seitenverhältnis von 2:1, so daß »ihre Zahl 21« war?
Weiter heißt es in der Überlieferung, daß Joseph von Arimathäa, der Onkel von
Jesus, nach der Kreuzigung das Blut Christi in einer
Schale – wiederum ein Symbol des Grals – auffing. Nach seiner Gefangennahme
durch die Römer soll Christus ihm im Kerker erschienen sein, um ihm den Auftrag
zu geben, in einem anderen Land eine neue, diesmal quadratische Gralstafel zu errichten. Joseph von
Arimathäa soll daraufhin die Flucht nach England gelungen sein, und er gilt
allgemein als Begründer der ersten Kirchengemeinde in Glastonbury, dem mystischen Avalon der Kelten.
Dort wiederum errichtete nach der Sage König Uther Pendragon, der Vater von König Artus, im Auftrag des Zauberers
Merlin eine runde Tafel, uns allen bekannt durch
König Artus' Tafelrunde. Die Artussage ist eine Allegorie für die
Suche nach dem verschollenen Gral, der den Rittern am
Ostersonntag nur in Form einer Vision erschienen war.
Wir sehen deutlich, wie die drei Gralstafeln einen zunehmenden Prozeß
der Verweltlichung beschreiben. So ist es nicht verwunderlich, daß der
Besucher der Kathedrale von Chartres, wenn er aus der Welt des
Profanen in das Kirchenschiff eintritt, zunächst die runde Gralstafel überquert, anschließend die
quadratische, während die rechteckige Abendmahlstafel erst hinten im Chor zu
finden ist. Noch heute heißt dieser Teil der Kathedrale Chapelle du Saint
Sacrement – Kapelle des heiligen Sakraments, also des Abendmahls. In früheren
Zeiten hat sich hier auch der Altar befunden.
Doch die Geheimnisse der Kathedrale gehen noch weiter: Die Proportionen
der Säulen und Galerien stehen zueinander in harmonischen Verhältnissen, die
der im Mittelalter üblichen gregorianischen Tonleiter entsprechen. Man weiß,
daß sich die Kirche über einem unterirdischen Dolmen befindet, einem uralten
keltischen Heiligtum, in dem eine heilige Quelle
entspringt. Diente das Kirchenschiff als Resonanzkörper, als eine Art
Musikinstrument, das die heilkräftigen Schwingungen aus dem Erdinnern an die
Oberfläche weiterleiten und verstärken sollte? Die im 12. Jahrhundert wie aus
dem Nichts neuentstandene Bauweise der Gotik mit ihren schwindelerregend
hohen Gewölben und fast schwerelos wirkenden Bögen erzeugt in der Tat eine
ganz eigene Akustik. Es fällt in diesem Zusammenhang auch auf, daß zwar das
Äußere der Kathedrale durch Hunderte von Statuen reich geschmückt ist,
während man im Innern nur schlichte, glatte Wände findet. Ganz offenbar
sollte die Akustik der riesigen Halle nicht durch überflüssigen Zierat
zerstört werden. Dies blieb erst späteren Baustilen, etwa dem Barock,
vorbehalten, als vieles uraltes Wissen längst vergessen war.
Die Technik, durch Spannung in den steinernen Bögen Klangräume zu
erzeugen, so wie bei den Saiten eines Klaviers, hat uralte Wurzeln. So steht
zum Beispiel in der Nähe des Dorfes St. Just in der Bretagne auf einem Hügel bis heute
der Roche de Tréal, ein Dolmen aus der Zeit um 2500 v.
Chr., dessen Steine klingen, wenn man sie mit dem Finger oder einem kleinen
Stein anschlägt. Durch geomantische Linien ist er verbunden mit
weiteren prähistorischen Kultstätten der Umgebung, etwa dem Château
Bû, einem in Europa einmaligen Bauwerk aus dem vierten vorchristlichen
Jahrtausend. Die Namengebung aus heutiger Zeit ist nur ein Ausdruck der
Hilflosigkeit unserer Archäologen, Sinn und Zweck prähistorischer Monumente
einzuordnen.

Abb. 3: Die Autorin Grazyna Fosar
führt geomantische Untersuchungen durch am Roche de Tréal (Bretagne).
Niemand weiß bis heute genau, zu welchem Zweck das Château Bû gedient
haben mag. Ein »Château«, also eine Burg, ist es mit Sicherheit nicht
gewesen. Den Hauptteil der Anlage bildet ein Cromlech, also ein Steinkreis, der aber zu den sonst in
der Gegend gefundenen Menhiren keinerlei Ähnlichkeiten
aufweist. Zwei unterirdische Grabstätten wurden nachweislich erst viel
später, zur Bronzezeit, etwa 1500 v. Chr. hinzugefügt. Handelte es sich um
einen vorzeitlichen Tempel oder Opferplatz?

Abb. 4: Das „Chateâu Bû“ bei St.
Just (Bretagne).
Auf jeden Fall ist Chateâu Bû ein heiliger Ort der Kraft. Wir besuchten
die Stelle im Spätsommer, als das Gras durch die wochenlang andauernde
Sommerhitze überall braun und verbrannt war. Nur im Innern des Steinkreises
war es nach wie vor frisch und grün (Abb. 4).
Haben die Erbauer der Kathedrale von Chartres etwa das Geheimwissen der
keltischen Druiden übernommen? Ein angesichts
der gnadenlosen Verfolgung »heidnischer« Bräuche im Mittelalter geradezu
revolutionärer Gedanke. Und doch liegt er nahe, wenn man die Geschichte des
unterirdischen Dolmens unter der Kirche genauer betrachtet.
Chartres ist nämlich schon vor dem
12. Jahrhundert ein jahrhundertealter bedeutender Wallfahrtsort gewesen. Es
heißt, ein keltischer Druide habe etwa 100 Jahre vor Christi Geburt nach
einer Vision prophezeit, eine Jungfrau werde ein Kind gebären.
Daraufhin sei an diesem Ort bereits in vorchristlicher Zeit der gebärenden
Jungfrau ein Heiligtum errichtet
worden. Bereits zur Zeit der Kelten wurde hier eine schwarze
Madonna angebetet. Nach der
Christianisierung wurde dann dieser bedeutende Kultort einfach als
Marienheiligtum übernommen. Die Kathedrale von Chartres
ist demzufolge auch der Jungfrau Maria geweiht und trägt bis heute den Namen
Notre-Dame.
Bei diesem Namen fällt einem natürlich sofort die viel bekanntere
Kathedrale Notre-Dame in Paris ein, und dies führt uns zum
nächsten Geheimnis. In nur wenig mehr als hundert Jahren, also für die
damalige Zeit nahezu gleichzeitig, sind im 12. und 13. Jahrhundert in
Nordfrankreich eine große Anzahl gotischer Kathedralen gebaut worden, die
alle Notre-Dame heißen, also der Jungfrau Maria geweiht sind. Die
bedeutendsten befinden sich außer in Chartres und Paris noch in Reims, Amiens, Rouen, Bayeux, Laon, L'Epine und Evreux.
Verbindet man diese Städte auf der Landkarte durch Linien, so bilden sie
das Sternbild Jungfrau.
Diese Tatsache beweist eindeutig, daß die Verehrung der gebärenden
Jungfrau vorchristliche Wurzeln
haben muß, denn die meisten genannten Städte sind uralte keltische
Siedlungen, die bereits zur Zeit des gallischen Kriegs existierten, als
Cäsars Legionen ins Land einfielen.
Und doch haben die Baumeister der gotischen Kathedralen ihr Wissen nicht
von den »heidnischen« Druiden übernommen, denn die
ältesten erhaltenen schriftlichen Zeugnisse über die Jungfrauenverehrung der
Kelten stammen erst aus dem 14. Jahrhundert, also aus
einer Zeit, da die gotischen Kathedralen allesamt schon errichtet waren.
Das Rätsel löst sich auf ganz andere Weise: Paradoxerweise mußten die
Franzosen des Mittelalters weite Reisen unternehmen, um das gleiche Wissen zu
erwerben, das ihre eigenen Vorfahren auch besessen haben. Erst später dann
ist ihnen ganz offenbar diese Übereinstimmung aufgefallen. So kann
dogmatisches Denken den Blick des Menschen trüben.
Anfang des 12. Jahrhunderts zogen neun französische und flämische Ritter
ins Heilige Land, um – wie es offiziell hieß – die Pilgerwege nach Jerusalem vor Räubern zu schützen.
Eine seltsame Aufgabe für Männer, die größtenteils dem Hochadel angehörten.
Bald schon zeigte es sich, daß ihr eigentlicher Auftrag ganz anderer Natur
war. Der König von Jerusalem, Balduin II., wies den Rittern ein Quartier fernab von der
kämpfenden Truppe an, auf dem Gelände der Al-Aksa-Moschee, wo sich früher der
Tempel Salomos befunden hatte. Sie nannten sich dementsprechend »Arme Ritter
Christi vom Salomonischen Tempel« oder kurz Templer. Keiner von ihnen war je im
Kampfeinsatz gegen räuberische Beduinen. Statt dessen suchten sie in den
Ruinen des Tempels nach geheimem Wissen – nach der Bundeslade.
Viel ist schon über Konstruktion und Inhalt der Bundeslade geschrieben
worden. Fest steht, daß die Israeliten sie wie einen Schatz gehütet und durch
mehrere Stufen von Sicherheitsvorkehrungen vor unerlaubtem Zugriff bewahrt
hatten. König Salomo schließlich baute den Tempel in Jerusalem eigens zu dem Zweck, einen
sicheren Ort zur Aufbewahrung der Lade zu erhalten.
Was befand sich in dieser Lade? Nach dem alten Testament waren es zwei
steinerne Gesetzestafeln, die Moses auf dem Berg Sinai von Gott empfangen hatte.
Das mag ja sein, aber welcher Art waren diese Gesetze? Waren es die zehn
Gebote, so wie man es uns offiziell weismachen will? Wieso sollte man
Steintafeln, die die zehn Gebote enthalten, so sorgsam vor der Öffentlichkeit
verstecken? Diese Gesetze waren und sind schließlich jedermann bekannt und
sollten es auch sein.
Waren möglicherweise andere Gesetze in der Bundeslade verborgen? Waren es,
wie Louis Charpentier vermutet, die Gesetze der
Harmonie und der heiligen Geometrie, die uns nicht nur als
äußere Zeichen die herrlichen Bauwerke der Gotik bescherten, sondern dem
Eingeweihten auch große Macht verliehen? Ist dies der
Grund, daß die zweite Gralstafel in ihren Proportionen der
Grundfläche der Cheopspyramide entspricht? Moses war in Ägypten geboren und
in ägyptisches Geheimwissen eingeweiht.
Stand auf den Gesetzestafeln des Moses das Wissen über den
Heiligen Gral? Wir müssen bedenken, daß die Vorstellung des
Grals als Kelch eine christianisierte Form der Legende ist. Wolfram von
Eschenbach, angeblich selbst ein Templer, bezeichnete hingegen in
seinem Parzival-Epos den Gral ausdrücklich als einen Stein. Im Grunde aber
sollte man sich den Gral vermutlich überhaupt nicht als irgendeinen
Gegenstand vorstellen, sondern eher als einen Einweihungsweg, ein geheimes
Wissen, so wie es durch die drei Gralstafeln von Chartres repräsentiert wird.
Jetzt paßt jedenfalls alles zusammen: Nach etwa zehn Jahren im Heiligen
Land kehrten die Templer im Jahre 1128 nach Frankreich zurück. Ihr
Auftrag war erfüllt, obwohl mit Sicherheit immer noch räuberische
Araberstämme die Pilgerwege bedrohten. Und kurz nach dem Eintreffen der
Tempelritter in der Heimat begann man allenthalben in Nordfrankreich
fieberhaft Kathedralen zu bauen, in einem Baustil, der bislang unbekannt war
– der Gotik.
Die Templer lieferten das Wissen dazu, aber sie lieferten
auch die notwendige Infrastruktur. Von König und Papst mit weitreichenden
Privilegien ausgestattet, bauten sie in kurzer Zeit eine Art Staat im Staate
auf, verfügten über riesige Güter und Geldmengen – die »Armen Ritter
Christi«!
Dieses Geld benutzten sie nicht für sich selbst, sondern zum Bau der
gotischen Kathedralen.
Als der Templerorden Anfang des 14. Jahrhunderts
durch Philipp den Schönen aufgelöst wurde
und die letzten Templer den Weg zum Scheiterhaufen antreten mußten,
verschwand auch der Baustil der echten Gotik so plötzlich, wie er
gekommen war. Wohl baute man weiterhin Kirchen mit hohen Gewölben und
Spitzbögen, aber dies waren nur noch äußerliche Kunstwerke, teilweise bis ins
Groteske überladen, die nichts mehr mit der heiligen Geometrie des Originalbaustils zu tun
hatten.
Welcher Art war die Macht, die die Anwendung der
heiligen Geometrie den Menschen verlieh?
Welche Kräfte stecken in gotischen Kathedralen wie der von Chartres, wenn sie an Orten der
Kraft gebaut wurden? Es wird hier ganz deutlich, daß es nicht nur um
Ausstrahlungen von unterirdischen Wasseradern geht. Die Gralstafeln werden von den Zigeunern
zur Bewußtseinsveränderung benutzt – eine Technik, die
von jedem nachvollzogen werden kann. Weckte auch die Kathedrale
Bewußtseinskräfte, die uns noch unbekannt sind?
Hierzu müssen wir noch auf eine andere Besonderheit eingehen, nämlich das
Labyrinth. In mehreren Kathedralen
der Gotik findet sich im Fußboden ein Labyrinth.
Chartres ist die einzige von ihnen,
in denen das ursprüngliche Labyrinth noch nahezu vollkommen erhalten ist. Es
ist auch mit fast 13 Metern Durchmesser das größte. Ein weiteres Labyrinth ist
noch in Amiens zu besichtigen. Es wurde aber nur nach alten
Vorlagen rekonstruiert. Das Labyrinth in der Kathedrale von Reims hingegen wurde zerstört,
weil es angeblich von Kindern als Spielplatz mißbraucht wurde.
Nach verbreiteter Ansicht der Kunsthistoriker ist das Labyrinth von Chartres ein Sinnbild für das
menschliche Leben von der Geburt bis zum Tode. Dies mag oberflächlich richtig
sein, nur sollte man nicht vorschnell alles zu bloßen Sinnbildern erklären,
dessen wahren Sinn man nur nicht verstanden hat.
Zunächst einmal ist der Begriff Labyrinth irreführend. Im Gegensatz
zu dem wirklichen Labyrinth, das Daedalus der Sage nach im Tempel zu Knossos
auf Kreta als Gefängnis für den Minotaurus errichtete, kann man sich
im Labyrinth von Chartres nämlich nicht verirren. Es
stellt nur einen einzigen, wenn auch verschlungenen Weg dar, der von der
Peripherie ins Zentrum führt, und es ist überliefert, daß in früheren Zeiten
Menschen diesen Weg zu Zwecken der Meditation auch tatsächlich abgegangen
sind. Heute ist dies nicht mehr möglich, da der größte Teil des Labyrinths
durch Stuhlreihen verstellt ist.
Nur der mittlere Teil im Gang liegt frei, und täglich marschieren Tausende
von Touristen über diesen uralten Einweihungsweg, ohne sich dessen bewußt zu
sein. Die abwechselnd hellen und schwarzen Steine weisen eine sehr starke,
abwechselnd positive und negative Ausstrahlung auf, die sich
radiästhetisch einwandfrei messen läßt. Ganz offenbar diente das Labyrinth ursprünglich dazu, Menschen
durch das Abgehen der verschlungenen Wege unter dem Einfluß dieser Erdkräfte in veränderte
Bewußtseinszustände zu versetzen.
Auch König David, der selbst ein
Eingeweihter war, tanzte vor der Bundeslade. Rituelle Tänze zur
Bewußtseinserweiterung sind auch aus anderen
Kulturen bekannt, etwa von den tanzenden Derwischen, einer geheimen islamischen
Bruderschaft. Das Labyrinth von Chartres liegt inmitten der runden
Gralstafel. Sollte der Mensch durch einen rituellen
Tanz auf die Einweihung in höhere Geheimnisse
vorbereitet werden?
Warum wurde dieses Wissen seit der Zeit der biblischen Könige vor der
ganzen Welt geheimgehalten? Konnten dadurch Kräfte geweckt werden, die der
Mensch ohne genügende Vorbereitung nicht beherrschen konnte? Hinweise darauf
finden sich bereits im Alten Testament, und zwar in einem Buch, in
dem man es vielleicht am wenigsten vermuten könnte – im Hohenlied Salomos.
König Salomo, der Erbauer des Tempels in Jerusalem und bis heute
sprichwörtlicher Weiser, war ganz offenbar in das Geheimnis der Bundeslade
eingeweiht. Das Hohelied, das er verfaßte, erscheint
äußerlich als ein ganz profanes Liebeslied, so daß es eigentlich verwundert,
einen solchen Text in der Heiligen Schrift überhaupt zu finden. Man sollte
aber nicht vergessen, daß das hebräische Alphabet zugleich ein Zahlsystem
war, das über das geheime Buch der Kabbala entschlüsselt werden
konnte. Louis Charpentier jedenfalls vermutet, daß
Salomo genau in diesem Buch geheimes Wissen über die Bundeslade versteckt
hat.
Natürlich kann man mit Hilfe einer neuzeitlichen Bibelübersetzung dem
wahren Sinn nicht mehr auf die Spur kommen. Hierzu müßte der hebräische
Urtext – der eigentliche Geheimcode – untersucht werden. Immerhin finden sich
auch im äußeren Text bereits Hinweise auf die Verehrung der schwarzen Madonna sowohl in gotischen
Kathedralen als auch in keltischen Druidentempeln, so z. B. im
Kapitel 1, Vers 5: »Ich bin schwarz, aber gar lieblich, ihr Töchter
Jerusalems.«
Schwarze Madonnengestalten sind weltweit zu finden. Die Jungfrau im Dolmen von Chartres ist kein Einzelfall. In der
Kathedrale ist die heilige Anna, die Mutter Marias, mit schwarzem Gesicht in
einem Kirchenfenster dargestellt. Und vergessen wir nicht die »Königin
Polens«, die weltberühmte schwarze Madonna von Tschenstochau, zu der jährlich Millionen
Gläubiger pilgern.
Mehrmals in seinem »Liebeslied« verkündete Salomo dann aber auch eine
ernsthafte, fast leidenschaftliche Warnung, so zum Beispiel im 2. Kapitel,
Vers 7: »Ich beschwöre euch, Töchter Jerusalems, bei den Rehen oder bei
den Hinden auf dem Felde, daß ihr meine Freundin nicht aufweckt noch regt,
bis es ihr selbst gefällt.«
Möglicherweise waren in der Bundeslade geheime Formeln der heiligen
Geometrie versteckt, deren Anwendung
durch Unbefugte gefährlich wäre. Genaueres könnte man wohl nur erfahren, wenn
man den Originaltext mit Hilfe kabbalistischer Schlüssel dechiffrieren würde.
Es gibt aber noch einen anderen Weg. Wie wir inzwischen herausgefunden
haben (und wie auch den Baumeistern des Mittelalters zunehmend bewußt wurde),
verfügten auch die keltischen Druiden über das gleiche
Geheimwissen, wie es die Templer aus Salomos Tempel
mitgebracht hatten. Eine Pilgerfahrt zum Dolmen von Chartres und zur schwarzen Madonna diente nicht nur der
Anbetung von Göttern. Dies sind nur ritualisierte Symbolhandlungen, die wir mit
unseren vom Christentum geprägten Augen erkennen können. Wir schauen nach wie
vor nur auf die Oberfläche eines magischen Bildes, und die dahinterliegenden
eigentlichen Wahrheiten haben sich vor unseren Augen noch nicht entfaltet.
Dieses Geheimnis muß etwas mit Erdkräften zu tun haben. Erinnern wir uns
an den Steinkreis von Château Bû, in dem das Gras auch im trockensten
Hochsommer noch grün und frisch war. Erinnern wir uns daran, daß unter
heiligen Orten zumeist auch heilige Quellen sprudeln, so wie in Chartres, aber auch in Glastonbury mit seiner berühmten
Gralsquelle, oder am Mont St. Odile im Elsaß. Wir könnten noch beliebig
viele Beispiele angeben.
Ganz offenbar dienten prähistorische Dolmen und Tempel, aber auch
gotische Kathedralen des Mittelalters, dazu, geeignete Resonanzkörper zu
schaffen, die die vorhandenen Erdkräfte verstärken sollten. Die
Verehrung gebärender Jungfrauen an solchen Orten
zeigt deutlich, daß es hier vorrangig um den Kontakt zur Mutter Erde ging –
der ältesten Religion der Menschheit, deren Wurzeln bis tief in die
Altsteinzeit zurückreichen.
Die Impulse, die ein Mensch an solchen Orten erhalten kann, beziehen sich
nicht nur auf heilende Kräfte, sondern eröffnen ihm auch den Zugang zu
anderen Dimensionen des Bewußtseins. In der Regel sind solche Impulse
schwach, und erst durch jahrelange Schulung konnte ein Mensch darauf
vorbereitet werden, sie zu empfangen.
Dieser Weg führte den Einzuweihenden stets durch die Tiefen seines eigenen
Selbst, so daß er lernte, seine egoistischen Bedürfnisse zu erkennen und
schließlich zu überwinden. Durch Resonanzverstärkung hingegen wurde es
möglich, den Zugang zu spirituellen Dimensionen nunmehr auch unvorbereiteten
Menschen zugänglich zu machen, die dieses Wissen später in den Dienst ihres
persönlichen Strebens stellen konnten. Genau hier liegen die Gefahren des
Mißbrauchs, die schon König Salomo gekannt hatte, als er so
leidenschaftlich davor warnte, diese Kräfte vor der Zeit zu wecken.
Wir sehen, daß das höhere Wissen stets die Tendenz hatte, sich selbst zu
schützen. Einem Menschen, der das kleine Einmaleins nicht beherrscht, kann
man unbesorgt ein Lehrbuch der Atomphysik in die Hand geben. Er wird dennoch
nicht in der Lage sein, eine Atombombe zu bauen. Die Technik erst versetzt
uns in die Lage, Wissen mißbräuchlich anzuwenden. Gibt man dem Ungebildeten
die fertige Atombombe in die Hand, so kann er sehr wohl damit Schaden
anrichten.
Genauso bergen die mystischen Einweihungsstätten von den Pyramiden des
alten Ägypten bis hin zu den gotischen Kathedralen des Mittelalters
Geheimnisse, die nicht vor der Zeit geweckt werden sollten. Dieses Wissen
schützt sich nicht mehr von selbst, denn es liegt für jeden greifbar offen
da. Wir selbst sind es, die nur nicht in der Lage sind, es zu erkennen. Durch
unsere eigenen Vorurteile, durch die Doktrinen und Dogmen unserer Zeit, die
vorrangig von einer zu einseitig materialistisch ausgerichteten Wissenschaft
definiert werden, versperren wir uns selbst den Blick auf höhere Erkenntnisse
– vielleicht zu unserem eigenen Schutz. Wir sind so etwa in der gleichen
Situation wie die Templer, die auf der Suche nach dem
geheimen verlorenen Wissen die mühevolle und gefährliche Pilgerreise ins
Heilige Land auf sich nehmen mußten, weil sie in ihrem religiösen Eifer nicht
in der Lage waren zur Kenntnis zu nehmen, daß die »heidnischen« Druiden direkt vor ihrer Haustür
steinerne Zeugen der gleichen universell gültigen Gesetze hinterlassen haben.
Es geht uns im Moment um weitaus mehr als um die Regeln der heiligen
Geometrie und des harmonikalen
Bauens. Louis Charpentier gibt selbst zu, in seiner
jahrelangen Forschungsarbeit noch nicht alle Geheimnisse der Kathedrale
gelüftet zu haben. Es gelang ihm immerhin, zwei geheime Maßeinheiten zu
finden: Eine, die den Grundriß, also die ersten zwei Dimensionen, festlegt,
und eine weitere, die die Konstruktion des Gewölbes, also die dritte
Dimension, bestimmte.
Er war sich jedoch darüber im Klaren, daß die Kathedrale von Chartres
ein Ort der Begegnung zweier Welten ist, wie so viele andere mystische Stätten
auch. Es muß daher noch ein drittes verborgenes Maß – entsprechend der
dritten Gralstafel – geben, das
folgerichtigerweise den Zugang zur vierten Dimension eröffnet. Diese ist aber
die Dimension der Zeit. Hier liegt die eigentliche Gefahr. Wer das dritte Maß der Kathedrale von Chartres kennt, der wird
zum Herrn der Zeit und damit – wenn er noch
nicht genügend persönliche Reife erworben hat – zum Herrscher der Welt.
Auch in den verschiedenen Gralslegenden ist
immer wieder die Rede davon, daß der Gral seinem Besitzer große –
auch weltliche – Macht verleiht.
Steht dieses geheime dritte Maß in Zusammenhang mit der dritten Gralstafel, mit dem Rechteck, »dessen
Zahl 21 ist«? Liegt dieses Geheimnis dort bis heute unerkannt verborgen? Es
dürfte kaum ein Zufall sein, daß im Chorumgang von Chartres in allen Fensternischen schmiedeeiserne
Gitter angebracht wurden, an denen große Pentagrammsymbole befestigt sind! (Abb. 5)
Soll im Chor der Kathedrale, am Ort des Allerheiligsten, der dritten
Gralstafel, etwas vor unbefugtem Zugriff geschützt werden?
Leider hat es den Anschein, daß das Sicherheitssystem Lücken hat, daß
Spuren des verlorenen Wissens über die Jahrhunderte immer wieder
durchgesickert und zu Machtzwecken mißbraucht worden sind.


|